Freifahrt

August 9, 2008

Zwei Freifahrten bescherte mir die Deutsche Bahn. Und das geht so: Zunächst sammelte ein fleißiger Bahnfahrer Bonuspunkte. Ab 2500 Punkten lässt sich aus den Bonusprämien eine Freifahrt hin und zurück in der zweiten Klasse wählen, die auch an eine dritte Person übertragbar ist. Ein tolles Geschenk, das mir übergeben wurde und einen kleinen Urlaub ermöglicht. So buchte ich für ein paar Tage ein Zimmer in Wismar.

Ohnehin nervös und reisefiebrig veranlagt, radelte ich zum Ticketschalter der Bahn am Hauptbahnhof, um mich wegen des Schienenersatzverkehrs, der derzeit zwischen Bad Kleinen und Wismar herrscht, zu erkundigen und mir Zugverbindungen ausdrucken zu lassen. Die Dame am Schalter schockierte mich, als sie mir mitteilte, dass die Gutscheine nur nach Kontingenten eingesetzt werden könnten. Sie bräuchte dazu den Gutscheincode, der in den Computer eingegeben werden müsse. Einige Verbindungen waren schon blockiert. Ich bekam einen Schreck, weil ich doch das Zimmer schon gebucht hatte in der sicheren Annahme, dass es sich um eine Freifahrt handele und ich sicher war, dass diese beliebig einsetzbar sei. Die Dame am Schalter war nicht der Meinung. Es ginge nur nach Verfügbarkeit. Ein Festhalten der von mir gewünschten Verbindung für 15 Minuten, bis ich mit dem Freifahrtsschein zurück sei, ginge nicht. Ich hastete mit dem Rad durch die 30-Grad-Hitze, holte den Freifahrtsschein und stellte mich schwitzend ein zweites Mal zehn Minuten in die Warteschlange vor dem Ticketschalter. Zeit genug, um auf der Rückseite des Gutscheins den Beförderungsbedingungen nicht entnehmen zu können, dass die Freifahrt nur nach Kontingenten einzusetzen sei.

Am Schalter bediente eine andere Dame. Sie winkte ab:“Da müssen sie nur Start- und Zielort eintragen und das Datum der Hinfahrt“. Richtig erleichert war ich nicht. Ich verwies auf die Kollegin am übernächsten Schalter. Die Frau blieb dabei. Dieser Gutschein sei tatsächlich frei einsetzbar, die Kollegin habe den Gutschein ja nicht gesehen und es gebe Gutscheine, wo das so sei, wie die Kollegin sagte. Mit den ausgedruckten Reiseverbindungen verließ ich den Schalter. Die erste Freifahrt zum Heranbringen des Gutscheins – frei im Sinne von umsonst – habe ich somit hinter mir. Einem geschenkten Gaul schaut man ja auch nicht ins Maul. Morgen geht es los mit der Bahnfreifahrt. Hoffentlich fällt dem Schaffner nicht noch eine Variante ein, dass der Gutschein von mir falsch eingesetzt wurde. Oh Gott, oh Gott oh Gott…

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