Fleck weg
August 29, 2008
Ein paar Jahre gehörte der hellrosa Pulli zu meinen Lieblingsstücken. Ein kleines Loch im Stoff habe ich sogar gestopft, weil ich in so gern hatte. Und das, obwohl ich mit Nadel und Faden nicht umgehen kann. Man sah die Stelle kaum noch. Im Gegensatz zum Fleck, der nicht mehr auszuwaschen war. Schon einmal konnte ich einem hartnäckigen Fleck, nachdem normale Fleckweg-Mittel nicht halfen, mit einem Kalk- und Rostreiniger für’s Bad erfolgreich zu Leibe rücken. So griff ich wieder zu dem Spezialreiniger. Dieses Mal ohne Erfolg: Erst schien es so, als verblasste der Fleck. Doch beim wiederholten Ausreiben der Schmuddelstelle musste ich feststellen, dass sich der Fleck merkwürdig vergrößert hat und der Stoff mehrere Längsrisse aufwies und Durchblicke erlaubte. Der Riss im Stoff hat sich direkt auf meine Stimmung übertragen, die ebenfalls einen Einriss verzeichnete. Aber ich habe schon eine Idee. Wie man einen Fleck auf einer Tischdecke mit einem Platzdeckchen überdecken kann, ist mir eingefallen, dass ich einen Pullover über den rosa Rolli ziehen kann. Der Kragen und die Arme sind ja noch fleck- und rissfrei! Der bevorstehende Herbst und Winter eignen sich überdies für den wärmenden Lagenlook.
Praktikumsbericht II
August 20, 2008
Im Verlauf meines dreiwöchigen Berufspraktikums 1989 als Fotografin im Bremerhavener Schiffahrtsmuseum notierte ich im Tätigkeitsbericht zu der Frage, was mir in dieser Woche besonders aufgefallen sei: „Wirklich nichts Besonderes (den ganzen Tag läuft Radio FFN)“. Als Fotografin braucht man wohl eine gute Beobachtungsgabe, die auch für den Praktikums-Abschlussbericht gefragt war, in dem wiederzugeben war, weshalb einem der Beruf gefällt oder nicht gefällt. Ich schrieb:
Ich muss dazu sagen, dass ich glaube, dass es keinen Beruf gibt, der einem nur gefällt oder nicht gefällt. Der Berufsfotograf kann nicht immer das fotografieren, was ihm gefällt und das Foto so gestalten, wie er möchte. Mir gefällt es, dass er trotzdem sein Wissen und seine Technik einsetzen kann und nicht selten sogar bewundert wird. Wenn ich tatsächlich einmal diesen Beruf ergreifen werde, würde es mich trotz aller Faszination stören, wenn ich ständig, Tag ein, Tag aus, das selbe fotografieren muss, wie beim Praktikum Schiffe und alles, was dazu gehört. Der Berufsfotograf ist keineswegs mit dem Hobbyfotografen zu vergleichen, und wenn der Hobbyfotograf noch so gut ist. Es ist teilweise wirklich harte Arbeit, ein gutes Bild in den Kasten zu kriegen. Davon abgesehen muss beim Entwickeln auch noch auf vieles geachtet werden, wie: Welche Gradation, ist das Bild zu hell oder zu dunkel. Zwar brauchte man das in diesem Betrieb nicht so stark beachten. Aber für einen richtigen Profifotografen, der seine Bilder veröffentlicht, zum Beispiel in der Werbefotografie oder in den teuersten und bekanntesten Zeitschriften, ist das wahrscheinlich doch ausschlaggebend.
Damals war ich Fünfzehneinhalb. Wenn ich das heute lese, kann ich nach meiner Erfahrung bestätigen, dass es tatsächlich manchmal eine harte Arbeit ist, ein gutes beziehungsweise passendes und stimmiges Bild in den Kasten zu bekommen. Ob der Fotograf dafür so bewundert wird, bezweifle ich etwas. Und der ambitionierte Hobbyfotograf steht in seinem Können einem gelernten Fotografen in fast Nichts nach. Fotografin war mein einziger Berufswunsch, den ich hatte. Ich bin Rechtsanwaltsgehilfin geworden. Aber ein Mensch tut das, wozu er geschaffen ist. Also fotografiere ich. Das Eine ist Beruf, das Andere – die Fotografie – etwas mehr Berufung.
Dazu gehört der Praktikumsbericht I
Freifahrt
August 9, 2008
Zwei Freifahrten bescherte mir die Deutsche Bahn. Und das geht so: Zunächst sammelte ein fleißiger Bahnfahrer Bonuspunkte. Ab 2500 Punkten lässt sich aus den Bonusprämien eine Freifahrt hin und zurück in der zweiten Klasse wählen, die auch an eine dritte Person übertragbar ist. Ein tolles Geschenk, das mir übergeben wurde und einen kleinen Urlaub ermöglicht. So buchte ich für ein paar Tage ein Zimmer in Wismar.
Ohnehin nervös und reisefiebrig veranlagt, radelte ich zum Ticketschalter der Bahn am Hauptbahnhof, um mich wegen des Schienenersatzverkehrs, der derzeit zwischen Bad Kleinen und Wismar herrscht, zu erkundigen und mir Zugverbindungen ausdrucken zu lassen. Die Dame am Schalter schockierte mich, als sie mir mitteilte, dass die Gutscheine nur nach Kontingenten eingesetzt werden könnten. Sie bräuchte dazu den Gutscheincode, der in den Computer eingegeben werden müsse. Einige Verbindungen waren schon blockiert. Ich bekam einen Schreck, weil ich doch das Zimmer schon gebucht hatte in der sicheren Annahme, dass es sich um eine Freifahrt handele und ich sicher war, dass diese beliebig einsetzbar sei. Die Dame am Schalter war nicht der Meinung. Es ginge nur nach Verfügbarkeit. Ein Festhalten der von mir gewünschten Verbindung für 15 Minuten, bis ich mit dem Freifahrtsschein zurück sei, ginge nicht. Ich hastete mit dem Rad durch die 30-Grad-Hitze, holte den Freifahrtsschein und stellte mich schwitzend ein zweites Mal zehn Minuten in die Warteschlange vor dem Ticketschalter. Zeit genug, um auf der Rückseite des Gutscheins den Beförderungsbedingungen nicht entnehmen zu können, dass die Freifahrt nur nach Kontingenten einzusetzen sei.
Am Schalter bediente eine andere Dame. Sie winkte ab:“Da müssen sie nur Start- und Zielort eintragen und das Datum der Hinfahrt“. Richtig erleichert war ich nicht. Ich verwies auf die Kollegin am übernächsten Schalter. Die Frau blieb dabei. Dieser Gutschein sei tatsächlich frei einsetzbar, die Kollegin habe den Gutschein ja nicht gesehen und es gebe Gutscheine, wo das so sei, wie die Kollegin sagte. Mit den ausgedruckten Reiseverbindungen verließ ich den Schalter. Die erste Freifahrt zum Heranbringen des Gutscheins – frei im Sinne von umsonst – habe ich somit hinter mir. Einem geschenkten Gaul schaut man ja auch nicht ins Maul. Morgen geht es los mit der Bahnfreifahrt. Hoffentlich fällt dem Schaffner nicht noch eine Variante ein, dass der Gutschein von mir falsch eingesetzt wurde. Oh Gott, oh Gott oh Gott…