Garten Große-LeegeEiszeitliche Verschiebungen sollen das Gartengelände in der Nähe des ehemaligen Verlaufs der alten Gera so steil geformt haben, erzählt Hubertus Große-Leege. Der Chirurg ist Eigentümer des Hauses in der Albrechtstraße 62 in Erfurt. Der Blick hinter die Hausfassaden im „Blechbüchsenviertel“ barg für die Besucher der Offenen Gärten eine Überraschung:

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„Das hätte ich nicht erwartet!“, entfuhr es einer Frau. Und so dürfte es den meisten Gartenpilgern gegangen sein, die am Sonntag das irrgartenähnlich angelegte Grün in Hanglage erkundeten. Der etwa 1500 Quadratmeter große Garten war vor der Umgestaltung verwildert. Brombeersträucher und Rosen ließen ihn verwunschen wirken, doch war auch einiges an Unrat bis hin zu halben Kühlschränken vom Gelände zu räumen. In Belgien hatte Hubertus Große-Leege einen ähnlichen Garten gesehen, der ihn auf die Irrgartenidee brachte. Statt für Buchs entschied er sich für Liguster, der neben Rasen und altem Obstbaumbestand den Garten prägt. Es brauche schon drei Nachmittage und schweres Gerät, die Ligusterhecken zu schneiden. Mit der Motorsäge bringt der sonst feinfühlig mit dem Skalpell schneidende Arzt das Gebüsch in Form. Erst zwei Wochen ist das her und schon sprießen die Zweige wieder empor. Empor klettern mussten auch die Besucher das arg steile Gartengelände. Scheint der Liguster auf den ersten Blick fast die gesamte Fläche zu vereinnahmen, eröffnen sich beim Durchschreiten des Gartens immer neue Wege und Blickachsen. Oben angekommen sind bestimmt ein paar Höhenmeter überwunden. Zur Belohnung laden Gartenstühle zum Verweilen ein und eine Schaukel. Das Rasenmähen sei schon eine Herausforderung auf dem steilen Gelände, aber „ich habe zwei Söhne“, hält Große-Leege lachend dagegen. Selbst wenn er mit seiner Familie den Garten alleine nutzt, dürfte er sehr zur Freude vieler Anwohner der Albrechtstraße sein, zieht er sich doch unmittelbar hinter dem ganzen Häuserblock entlang und bietet somit eine hübsche Aussicht ins Grüne für die Bewohner. Das ursprüngliche Mehrfamilienhaus ist zum Einfamilienhaus umfunktioniert worden und wird von der Familie Große-Leege allein bewohnt. Bei der Umgestaltung half Architekt Michael Mann von Vis á Vis aus der Albrechtstraße 3.

Garten Mann

Auch Michael Mann ist Eigentümer des Hauses, in dem er sein Architekturbüro unterhält. Der von ihm gestaltete Hausgarten trägt die deutliche Handschrift eines Architekten, der sonst Häuser plant. Alles ist sehr gradlinig gehalten. Von einer großen Terrasse gelangt man auf ein ungefähr gleich großes Rasenparterre. Bei genauerem Hinschauen lassen sich Verspieltheiten im Garten entdecken, die die Strenge mildern: Eine rostig metallene Elchfigur steht auf roten Rosenblüten gebettet unter einem Trompetenbaum, der Zitronenfrüchte trägt. Nur der versierte Gartenbesucher erkennt, dass da etwas nicht stimmt: Die Zitronenfrüchte sind lediglich eingehängt zwischen das Blätterwerk. Ein Birnenbaumstamm ist umwuchert von Efeu und mit einem Palmenwedel gekrönt. Architekt Michael Mann bricht bewusst mit der Weisheit, dass man Pflanzen so oder so zu behandeln hat, war kreativ und hat in gewisser Weise Fantasiegewächse geschaffen. Ein Margeritenoval lockert die Rasenfläche auf. An der hohen Begrenzungsmauer zum Nachbargrundstück steht „luce“ zu lesen, was im Italienischen „Licht“ bedeutet. Die Lettern erinnern an eine schwarze Brause; es sei genau dieselbe Schriftart, sagt Michael Mann. Der Schriftzug ließe natürlich Interpretationen zu, doch eigentlich war die Überlegung nur, dass der Garten mehr Licht erhalten hätte, wenn er die Mauer hätte abreißen dürfen. Doch das durfte er nicht, da sie zum Nachbargrundstück gehört.

Insgesamt 19 Gärten konnten wieder besichtigt werden. Mit dem Ziel, einen Hilfsfond mit den Eintrittsgeldern zu unterstützen, öffneten 1927 in England erstmals Privatgärten ihre Pforten. In Deutschland gab es 1989 in Hannover zum ersten Mal eine solche Aktion. In Thüringen wurden die Offenen Gärten 2001 in Weimar begründet. In Erfurt öffnen sich seit 2003 die Gartenpforten.

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