Drei Kaiser bitte

Juni 19, 2008

Regelmäßig morgens wünsche ich „drei Kaiser bitte“. Ob es noch etwas sein dürfe, fragt mich dann die Bäckersfrau. „Nein danke“. Ich gebe ihr 60 Cent für drei Kaiserbrötchen, sie wünscht mir freundlich lächelnd noch einen schönen Tag, was ich ebenso tue. Seit Jahren wechsle ich mit der Bäckersfrau die selben Worte. Nur manchmal weichen wir kurz davon ab, wenn es eine Situation hergibt. So letztens, als ein alter Mann mit seinem Kaffee auf einer Bank sitzend laut auf Kapitalisten schimpfte. Die Bäckersfrau kennt meine Gewohnheiten, weiß, dass ich stets drei Kaiser kaufe. Braucht der Vordermann länger, um das Geld zusammenzuzählen, packt sie bereits die drei Kaiser in die Tüte. Ich danke es ihr mit abgezähltem Kleingeld. Ich kenne nicht einmal ihren Namen. Dennoch kann man sich eine bessere und freundlichere Bedienung kaum wünschen in Zeiten anonymer Servicewüsten. Mir scheint die Arbeit der Bäckersfrau bedroht. Backfabriken nennen sich die Neukonzepte, um Brot und Brötchen kostengünstig an den Kunden zu bringen. Selbstbedienung lautet das Credo. Hinter Plastikklappen in Trögen liegen auch dort Kaiserbrötchen aus, die mir sonst die sympathische Bäckersfrau in die Tüte packt. Um fünf Cent günstiger. Hin und wieder greife ich im Supermarkt nach solch einem anonymen Brötchen hinter der Plastikklappe. Aber morgens zahle ich gern fünf Cent mehr für die freundliche Ansprache der Bäckersfrau. Da schmeckt das Brötchen gleich viel besser.

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