Der Baumkronenpfad im Nationalpark Hainich
Juni 19, 2008
Ein Urwald mitten in Deutschland lässt sich im Nationalpark Hainich entdecken, glaubt man dem Informationsblatt zum einzigen Thüringer Nationalpark. Und man glaubt es, wenn man dort war. Bäume aller Größen gibt es dort, skurrile Gestalten, mächtige Baumveteranen, Totholz besetzt mit Moosen, Flechten und Pilzen. Eben die Vielfalt des Lebens, die die Wälder des Hainichs so besonders macht, wie die Informationsbroschüre weiter beschreibt.
Seit 2005 lockt eine besondere Attraktion in den Wald: Der Baumkronenpfad an der Thiemsburg bei Bad Langensalza führt über ein Länge von gut 300 Metern durch die Baumwipfel des einzigen Thüringer Nationalparks. Ich kann sagen, dass es ein wunderbar lohnendes Erlebnis ist, diesen Pfad abzuschreiten. Vom Aussichtsturm lässt sich der Nationalpark aus 44 Metern Höhe gut überschauen.
Die Anfahrt mit dem Auto erfolgt von Erfurt über Bad Langensalza und Zimmern zum Parkplatz an der Thiemsburg. Ab Bad Langensalza ist der Weg zum Baumkronenpfad bestens ausgeschildert. Das Auto kann für einen Euro abgestellt werden. Das Naturerlebnis kann sodann zu Fuß gestartet werden. In etwa zehn Minuten erreicht man den Baumkronenpfad. Betritt man den Wald, fällt sogleich das veränderte Klima auf, als würde man durch eine unsichtbare Tür einen Mikrokosmos betreten. Kühle Frische begleitet uns auf
dem Weg zu den Baumwipfeln. Zunächst vorbei an einem Waldteich mit reichlich Entengrütze auf der Wasseroberfläche und vorbei an einer mächtigen Eiche ganz in der Nähe des Parkeingangs. Mit einem Durchmesser von 1,75 Meter ist der Türsteher der dickste und einer der ältesten Bäume des Nationalparks. Laut Schild soll sie schon gestanden haben als Columbus Amerika entdeckte.
Ich weiß gar nicht, wann ich zuletzt im Wald war. Jedenfalls bin ich schwer begeistert ob der neuen Eindrücke: überall Bäume und frisches Grün. Das ist schon ein besonderes Erlebnis. Bald ist das Kassenhäuschen erreicht, an dem der Erwachsene sechs Euro lassen muss. Zur Eintrittskarte gibt es ein Döschen Traubenzucker mit Vitamin C als Wegzehrung dazu. So muss man keine Unterzuckerung befürchten ob des eigentlich wenig anstrengenden Aufstiegs zum Wipfel-Wanderweg. Dieser beginnt in 24 Metern Höhe und führt in einem Rund leicht ansteigend bis kurz Unterhalb der Baumkronen. Ausgangspunkt des Pfades ist der 44 Meter hohe Aussichtsturm, dessen Plattform über Außentreppen erreichbar ist. Alle Zugänge sind auch barrierefrei mit dem Fahrstuhl zu erreichen.
Bereichert ist der Baumkronenpfad mit Informationstafeln, Tierskulpturen und Bildtafeln. Besonders für Kinder ist es unterhaltsam, die versteckten Tiere im Bild zu entdecken. Den wahrhaft krönenden Abschluss des Rundganges bildet der Aufstieg zur Aussichtsplattform. Der Gipfel ist touristisch erschlossen. Ich wundere mich ein wenig über zwei Automaten, die gegen Geldeinwurf wohl Traubenzucker auswerfen. Da mein Traubenzuckervorrat noch ausreicht, wende ich mich also den schönen Ausblicken zu.
Kleine Hinweistäfelchen deuten auf in der Ferne gelegene Ortschaften, etwa in welcher Richtung Eisenach und die Wartburg steht, der Inselsberg oder der Ettersberg bei Weimar in 52 Kilometer Entfernung. Der Wind dort oben erinnert mich an meine alte Heimat im Norden; er bläst kräftig. Ein Podest in der Mitte der Plattform lässt den Nationalpark-Eroberer die 44-Meter-Höhenmarke erreichen. In der Ferne sind knallgelbe Rapsfelder zu sehen, kleine Ortschaften und vor allem Baumwipfel, Grün über Grün. Schön, schön.
Der Abstieg geht schnell. Wer mag, der trägt sich noch in das Gipfelbuch ein. Wieder am Boden, weist ein Schilderwald die verschiedenen Wanderwege durch den Wald aus. Wir entscheiden uns für einen kürzeren, den 3,6 Kilometer langen Eichenbergweg. Herrlich ist der Wald. Ruhig. Man hört den Wind, die Vögel, es riecht nach Wald und plötzlich nach Schnittlauch. Wir entdecken erste Blütenbüschel von Wald-Knoblauch, etwas später ist der Waldboden übersät vom Bärlauch, der in weißen Blütenbüscheln blüht und dem Wald etwas märchenhaftes verleiht. Umgestürzte Bäume, Baumwurzeln, bemoostes Totholz und Blumen gestalten die Waldwege wechselhaft.
Der Hainich ist ein fast vollständig bewaldeter Muschelkalk-Höhenzug am Westrand des Thüringer Beckens. Es krabbelt und flattert (das stimmt, immer wieder sitzen kleine Krabbel- oder Flugwesen auf der Kleidung oder im Haar), es quakt und kreischt, es zwitschert und summt. Der Nationalpark Hainich ist ein Paradies, vielfältig und strukturreich. Für naturkundlich Interessierte gibt es reichlich zu entdecken. Die Informationsbroschüre verspricht nicht zu viel. Eine Wildkatze entdecken wir zwar nicht, doch zwei knallrote Maiglöckenhähnchen. Das sind Blattkäfer, die besonders gerne an Maiglöckchen herumknabbern. Der Hainich ist mit einer Waldfläche von 13000 Hektar das größte zusammenhängende Laubwaldgebiet Deutschlands. Dabei zeigt der Hainich die für Mitteleuropa typischen Buchenwälder in einer Größe, Unzerschnittenheit und Ausprägung, wie sie an keiner anderen Stelle mehr zu finden sind. Im Hainich soll der weltweit nur in Europa vorkommende Rotbuchenwald für alle Zukunft gesichert werden.
Getaggt: Erfurt, Natur, wald, wälder, thüringen, thüringer, hainich, bad, langensalza, baumkronenpfad, nationalpark, wandern, bärlauch, fotos, diaschau, baumwipfel, baumkrone














Eine Antwort hinterlassen