Ratz und RübeRappelkiste

Gut hätten auch die Namen Rotz und Löffel zu ihnen gepasst, gingen sie doch nicht gerade zimperlich miteinander um. Die Klappmaulfiguren Ratz und Rübe mit den Wollehaaren und Ringelpullis brachten uns Kindern in den 70er Jahren nicht minder ernste Themen wie Krieg und Frieden oder die Arbeitsituation der Eltern näher und sparten auch das Thema Sexualität nicht aus. Es ging um zu enge Wohnungen, die Rechtmäßigkeit von Besitz, um Leute, die befehlen, um listige Kinder, Alltagsprobleme und Wünsche. Die Rappelkiste war ein vom Zeitgeist der 68er-Bewegung geprägtes Bildungsprogramm, das eine antiautoritäre emanzipatorische Reformpädagogik vertrat und sich vor allem an unterprivilegierte Kinder wandte.

Da der Fernseher schon damals mein bester Freund war und ich gerade im Alter der Zielgruppe war, habe ich das natürlich geguckt. Der Vorspann der Sendung brachte uns Kindern den heute berühmten Auszählreim Ene mene miste, es rappelt in der Kiste, ene mene meck, und du bist weg! bei. Präsent geblieben ist mir vor allem eine Szene, die vermutlich häufiger auftauchte. Ratz und Rübe sitzen im Treppenhaus: „Du Ratz?“, fragt Rübe und Ratz antwortet mit „ja Rübe?“. Und dann folgte wohl der Einstieg ins jeweilige Thema, das magazinähnlich aufbereitet wurde. Dazu gehörten Realfilme und weitere Figuren wie Oswin und Nickel, Die Ompis-Knetfiguren, die Bauklötze und der namensgebende Rappel mit den Kisten, an die ich mich alle nicht mehr erinnere. Allerdings habe ich jetzt einen Verdacht, warum ich so rebellisch geworden bin. Die Online-Wissensdatenbank Wikipedia führt aus: „Die Serie ermutigte Kinder dazu, bestehende Autoritäten, Hierarchien und Gepflogenheiten infrage zu stellen, ihre Ängste zu überwinden und selbstbestimmt zu handeln. Die Rappelkiste stellte sich damit offen gegen traditionelle Erziehungsansätze, die von Kindern vor allem Demut, Fleiß, Gehorsam und Respekt gegenüber Erwachsenen forderten. Schon die Tatsache, dass die Puppen Ratz und Rübe mit nur jeweils einem Elternteil aufwuchsen, stieß damals auf Kritik“.

Gockel KonstantinNeues aus Uhlenbusch

Ein Nachfolger der Rappelkiste war ab 1977 die Reihe Neues aus Uhlenbusch, die Geschichten aus einem Bauerndorf in Norddeutschland erzählte. Auch der Vorspann dieser Kindersendung hat eine Berühmtheit. Für den Gockel Konstantin hatte im Titellied fliegen, schlafen und weinen keinen Sinn, denn wer sollte uns sonst im Leben von Uhlenbusch erzählen. Stets musste der arme Gockel am Ende des Vorspanns Federn lassen, wenn der Laster so dicht an ihm vorbeibrauste, dass man Angst um sein Leben haben musste. In Uhlenbusch trafen die Kinder insbesondere auf den naiven Briefträger Onkel Heini, gespielt von Hans-Peter Korff. Oder auf Oma Piepenbrink oder den Bauern Brömmelkamp. So nett Onkel Heini war, ich mochte ihn nicht besonders in seiner Weichheit. Vermutlich hätte ich ein stärkeres männliches Vorbild gebraucht, als einen schusseligen Postboten.

Luzie, der Schrecken der Straße

Die Luzie mochte ich, die habe ich geliebt. Sie war der Schrecken der Straße. Ein starkes Persönchen von sieben Jahren. Genau in meinem Alter damals 1980. Und sie hatte zwei geheime Freunde. Die Knetmännchen Friedrich und Friedrich. Der Kleine und der Große. Luzie möchte nicht länger allein sein und in die Bande des viel älteren Oswald aufgenommen werden. In einer Mutprobe soll sie stehlen gehen und klaut Knetmasse, aus der zwei lebendige Figuren entstehen: eine große orangefarbene und eine kleine grüne. Friedrich und Friedrich können sich in verschiedene Formen verwandeln und bringen Luzie manches Mal in Schwierigkeiten. Luzie hat in ihnen aber auch treue Helfer und Freunde. Die tschechische Serie war ein Heidenspaß. Einfach herrlich als die Stube unter Wasser steht und Luzie mit dem Sessel eine sturmgepeitschte Seefahrt im Wohnzimmer unternehmen kann. Was bloß, wenn die Eltern nach Hause kommen! Mit den Tintenfischen aus dem zweiten Stock greifen die Drehbuchautoren und Regisseure Jindřich Polák und Ota Hofman 1986 erneut die Idee sprechender Knetmassefiguren auf. Dieses Mal sorgten eine rote und eine blaue Krake für komische Situationen. In der Serie spielte wieder die Darstellerin der Luzie, Žaneta Fuchsová, mit.

Captain FutureCaptain Future

Photonentriebwerk Y 3 auf Raumstrahlung: Der rothaarige Captain Future verkörpert das absolut Gute im Raum-Zeit-Kontinum. Nachdem seine Eltern, die berühmten Wissenschaftler Elaine und Roger Newton, ermordet werden, beschließt der junge Curtis, für Frieden und Gerechtigkeit einzutreten. Ihm zur Seite stehen der Roboter Grag, der Androide Otto, der seine Gestalt verändern kann, und das in einem schwebenden Spezialbehälter gelagerte lebende Gehirn des Professor Simon. Hilfreich zur Seite stehen dem Helden außerdem Ezella Garnie, der Kommandant der Weltraumpolizei, und Joan Landor, die attraktive Geheimagentin der Planetenpolizei, die den feschen Captain liebt. Die japanische Zeichentrickserie basiert auf einer amerikanischen Heftroman-Reihe aus den 40er Jahren von Edmund Hamilton. 1980 tauchte Captain Future mit seinem Raumschiff, der Comet, erstmals im heimischen Fernsehuniversum auf. Ursprünglich war die Serie eher für Jugendliche und Erwachsene konzipiert, wurde im ZDF jedoch im Kinderprogramm gezeigt. Die Abenteuer des futuristischen Raumschiffkapitäns gehörten zu meinen Lieblingssendungen. Nicht zuletzt wegen der kongenialen Filmmusik von Christian Bruhn, die den Erdling bestens mit in die Weiten der Galaxien transportierte. Von der Titelmelodie nahm Phil Fuldner 1998 mit The Final eine Coverversion auf. Captain Futures Raumschiff war natürlich allen anderen Raumschiffen überlegen und konnte sich zur Tarnung in einen Kometen verwandeln. Protonenkanonen boten Schutz vor fiesen Mutanten. Ulkig wurde es, wenn sich Roboter Grag und Androide Otto wieder mal zofften, sich als rostige Blechkiste, Kunststoffkerl, alte Wärmflasche oder ausgeleierte Sprungfeder beschimpften, während ihr Raumschiff Kurs auf den siebenten Planeten des sechzigsten Sterns im Schwan nahm. Heute genießt Captain Future das, was man Kultstatus nennt. In der Serie sieht man Leute rauchen, was heute sicher nicht mehr als kindgerecht angesehen werden dürfte. Aber gestorben ist nach meiner Erinnerung niemals ein Gegner des Captain Future; sie wurden höchstens mit der Taserkanone ohnmächtigt danieder gelegt. Ich frage mich, ob Kinder diese Sendung noch begeistern könnte, ob ein Androide namens Otto sie noch vom Hocker reißen könnte? Otto’s Synchronsprecher Wolfgang Völz jedenfalls ist dem Kinderprogramm treu geblieben. Heute leiht er dem Kapt’n Blaubär seine Stimme.

Bilder: ZDF

Eine Antwort zu “Als es noch rappelte in der (Fernseh)Kiste”

  1. fk sagte

    auch ich kenne sie alle – und vermisse sie!

Eine Antwort schreiben